Wie lässt sich Honig rühren?

Als ich mich für das Imkern entschieden habe, tat ich das in erster Linie zum Schutz der Bienen und um sie am Leben zu erhalten. Ein halbes Jahr später und knapp 70 Kilogramm ‚honig’schwerer, muss ich ehrlich zugeben, dass es mich richtig stolz macht, wenn ich den Honig meiner Bienen ernten und in Gläser abfüllen darf.

Bei der Honigverarbeitung lerne ich den Umgang mit Honig, worauf geachtet und was berücksichtigt werden muss, damit Honig auch noch Honig bleibt. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich in einem Honigglas die wichtigen und wertvollen Enzyme eines Honigs befinden.

Kristallisation des Honigs

Die Kristallisation ist ein natürlicher Vorgang für den Honig. Das Verhältnis von Fructose (Fruchtzucker) zu Glucose (Traubenzucker) ist einer der Parameter, die es erlauben, die Kristallisationstendenz eines Honigs im Voraus abschätzen zu können. Das Verhältnis von Traubenzucker zu Fruchtzucker und der Wassergehalt beeinflussen, wie stark ein Honig auskristallisiert, ob er eine feste, cremige oder flüssige Konsistenz bekommt. Traubenzucker löst sich schwer in Wasser und bildet leicht Kristalle. Fruchtzucker nimmt mehr Feuchtigkeit aus der Luft auf und kristallisiert langsamer.

Je höher der Traubenzuckeranteil ist, desto schneller kristallisiert der Honig. Bei flüssigen Honigen überwiegt der Fruchtzucker, bei festen der Anteil an Traubenzucker.

Wann muss ich den Honig rühren?

Wichtig ist, zu wissen um welchen Honig es sich handelt, dann kannst du ungefähr abschätzen wie lange du rühren musst.

Hier eine kleine Zusammenfassung österreichischer Sortenhonige und ihre Kristallisation:

Rapshonig: hoher Glucosegehalt, rasche Kristallisation
Löwenzahnhonig: hoher Glucosegehalt, rasche Kristallisation
Akazienhonig: kristallisiert sehr langsam durch hohen Fructosegehalt
Edelkastanienhonig: bleibt lange Zeit flüssig
Tannenhonig: hoher Fructosegehalt, bleibt lange flüssig
Fichtenhonig: hoher Fructosegehalt, bleibt lange flüssig
Sonnenblumenhonig: schnell und manchmal grob kristallisierend

Nach dem Abschäumen, kann der Honig zwei Wege gehen, einen Kürzeren und einen Längeren: Auf dem kürzeren Weg landet der Honig sofort im Glas (zb Akazienhonig). Der längere (z.B. für Blüten- und Rapshonig) führt zuerst in den Lagerraum und wird gerührt.

Was bewirkt das Rühren des Honigs?

Durch Rühren kannst du das Festwerden des Honigs lenken und die Kristallisation verhindern.

> Du kannst in einem Kübel oder in der Abfüllkanne mit einem geeigneten Rührgerät rühren. Ich verwende einen Bosch Bohrer mit einem Mörtel-Rührer (siehe Bild). Selbstverständlich müssen die Geräte für das Verarbeiten von Honig unbenutzt und neu sein. <

Foto 11.06.16, 13 43 59

Wie gehst du beim Rühren vor?

Warte bis der Honig zu kandidieren beginnt – ein perlmutartiger Schimmer macht sich bemerkbar – und dann startest du deinen Rührvorgang am ersten Tag mit 20 bis 30 Minuten. Das Rühren wird (mehrmals) täglich paar Minuten lang wiederholt, bis der Honig so steif ist, dass er sich noch abfüllen lässt.

>Beim ersten Mal Abfüllen meines Frühjahrsblütenhonigs habe ich das viele Rühren nicht berücksichtigt und der Honig war nach etwa 5 Tagen im Glas vollkommen kristallisiert.<

Wenn das passiert, dann muss der Honig im Warmwasserbad oder in einem Wärmeschrank wiederverflüssigt werden. Aber VORSICHT: der Honig darf beim Aufwärmen nicht überhitzt werden. Es darf nicht mehr als 40 Grad eingestellt sein, sonst sind die wichtigen Enzyme weg und der Honig erfüllt die Honigverordnung für den Verkauf nicht mehr. Daher ist es am Besten du berücksichtigst immer das Rühren vor dem Abfüllen, so brauchst du den Honig nie erwärmen.

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Wenn Bienenstiche heilen

Der deutsche Fernsehsender ARTE hat kürzlich eine interessante, 26-minütige Dokumentation über uralte Bienenheilkunde in Rumänien ausgestrahlt.

Die Heilkraft der Bienenprodukte, aber vor allem die Therapie mit Apitoxin (Bienengift) soll ihren Ursprung u.a. in Rumänien haben. Dort lassen sich Patienten damals wie heute freiwillig von Bienen stechen um ihren Schmerz vorzubeugen und zu lindern. Die Apitherapie ist in Rumänien voll und ganz in die Schulmedizin integriert und erlebt dort einen einzigartigen Aufschwung.

Wir wissen bereits, dass der Bienenstock aus vielen Arzneien (Propolis, Bienenbrot, Pollen, Gelèe Royale, Honig) besteht, die schmerzstillend, antiseptisch aber vor allem antibiotisch wirken. Aber der Urmensch wusste davon noch nichts und soll sich zuerst mit dem Bienengift geheilt haben. Durch direkte Bienenstiche lassen sich Schmerzen lindern, vorbeugen und in vielen Fällen sogar heilen.
Dabei soll die allergene Eigenschaft des Bienengifts die körpereigene Produktion von Kortison anregen und unsere Immunabwehr stärken. Es bietet unserem Körper sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe an.

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(Bildquelle: Bonne Pioche Télévision) 

Der bewusste Einsatz von Bienengift wird unter anderem zur Behandlung von Rheuma, Gürtelrose, bei Muskelschmerzen, Autoimmunerkrankungen oder Multipler Sklerose empfohlen. Sogar bei Kopfschmerzen und Hexenschuss soll diese Therapie helfen. Und im asiatischen Raum, wo viel mit Akupunktur gearbeitet wird, wird auch jegliche Art von Krebs mit Bienengift behandelt.

Aber zurück zum Bienenstich! Der Stich an sich funktioniert wie eine Art Mikro-Nadel, die Biene setzt dabei ihr Gift ab und stirbt Stunden später. Die Menge des Gifts ist – gemessen an der Wirkung eines Bienenstichs – sehr gering: Nur 0,1 bis 0,3 mg wiegt das einzige Gifttröpfchen der Biene. Nach dem Stich sollte der Stachel möglichst abgekratzt, nicht rausgezogen werden.

Viele von uns assoziieren einen Bienenstich mit Schmerzen und einer ominösen Schwellung, oft auch eine Schocksituation, woraus sich desöfteren eine Bienenphobie entwickeln kann. Aber der Bienenstich an sich ist nicht gefährlich und aus Imkerkreisen weiß man, dass Gestochene einen gesundheitlichen Nutzen davontragen. So wird man kaum einen Imker finden, der an Rheuma leidet oder durch einen Schlaganfall gefährdet wäre. Mir wurde auch mal gesagt, ein Imker der an Allergien leidet, so etwas gäbe es nicht.

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Was tun wenn’s nach dem Stich brennt?
Abgesehen vom Kühlen der schmerzenden Stichwunde, gibt es ein gutes Hausmittel, das hilft: Zwiebel auseinander schneiden und mit der Schnittkante auf den Stich legen.
Unmittelbar nach dem Stich können auch die homöopathischen Globuli „Apis Mellifica“ (lat. Honigbiene; wird aus dem Bienengift gewonnen) eingenommen werden.

An meine honigsüssen Leser: Wenn Ihr nun künftig barfuß durch die Wiese lauft und von einer Biene gestochen werdet, dann beißt die Zähne zusammen, seid trotz Schmerzen auch ein kleines bisschen dankbar für das heilvolle Bienengift und denkt daran, was es in eurem Körper bewirken kann.

Arte-Dokumentation online nachzusehen:
Medizin in fernen Ländern: Rumänien – Heilsame Bienen
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(Titelbild Bildquelle: Bonne Pioche Télévision)